Seit Neugründung unseres Büros kreisen wir regelmässig um bestimmte Grundfragen der Architektur und
des Städtebaus. Um aufzuzeigen, welche Ausrichtung wir beim Hinterfragen unserer vergangenen und
beim Entwerfen unserer zukünftigen Architektur verfolgen, veröffentlichen wir hier, in loser Folge, unsere
Überlegungen. Mit diesen Kurztexten streifen wir unser internes Reflexionsprogramm, das uns immer
wieder vom Hang zur Affirmation befreien und in Distanz zum eigenen Schaffen bringen soll. Antworten
auf hier formulierte Fragestellungen werden, anhand von Musterbeispielen, im Lauf der Zeit gesammelt
und kritisch diskutiert.

01/2014
Raum, Form, Bedeutung

Bei uns funktionalistisch ausgerichteten Modernisten kommt verstärkt der Wunsch auf, unsere Architektur des Unverkleideten, des Rohen und Robusten, des energetisch Sinnvollen und ökonomisch Machbaren, also der pragmatischen Gewichtung des Bauens, mit mehr Sinn gebendem Formwillen zu durchdringen. Wie können wir Fassaden, Erschliessungs-, Wohn- und Arbeitsräume, über den erwähnten formpragmatischen Funktionalismus hinausgehend, so gestalten, dass die Bedeutung des Gebäudes für die Menschen und die Bedeutung ihrer Tätigkeiten darinnen zum Ausdruck kommen? In einer architektonischen Formensprache, die nicht nur Raumfunktion, sondern auch Raumform und Formbedeutung sagen kann? Wie können wir unsere konstruktiven und materialtechnischen Freiheiten tatsächlich für eine sinnbildende Raumgestalt nutzen? Und was leisten für diese Fragestellungen der Zufall im Entwurfsprozess, Widersprüche, Ausnahmen und asignifikante Brüche – vermögen sie nicht nur formal, sondern auch inhaltlich etwas beizutragen?

11/2013
Agglomeration – gestalterisch ordnen

Die aktuellen Bestrebungen, der Zersiedelung von Landschaft Einhalt zu gebieten, stellen uns Architekten vor die besondere Aufgabe, Agglomerationsgebiete nach innen zu verdichten. Deren städtebauliche Beliebigkeit, mit zwar geplanten und dennoch vorwiegend hingewürfelten Baukörpern, zeigt sich ohne Raum-, für die Bewohner ohne Bedeutungszusammenhänge. Diese Ausgangslage wirft gestalterisch-ordnende sowie politische Fragen auf:

1. Soll die Suburbia emanzipiert und wenn ja, auf welche Weise in urbane Räume überführt werden? Welche städtebaulichen Maßnahmen stellen die dafür notwendigen Raumbezüge zwischen Gebäuden im dispersen Speckgürtel her? In welcher Weise ist der bekannte typologische Kanon der horizontalen und vertikalen Gestaltung durch abwechslungsreiche Beziehungsgeflechte zu erweitern, damit öffentliche Aussenräume entstehen, die von der Bevölkerung mit Bedeutung belegt werden können? Welche Rolle kommt der Konfiguration des Erdgeschosses zu, und wie kann es selbst bei massigen Gebäudevolumen für die öffentliche Zugänglichkeit kleinstrukturiert bespielt werden?

2. Welche Typen der gemischten Wohnüberbauung tragen zur Agglomerationsverdichtung bei, wenn sie gleichzeitig Bezüge zum Bestand herstellen sollen? Wie sind Ausprägungen des beliebten Low Rise High Densitiy-Wohnbautypus (s.a. Siedlungsatlas: Low Rise High Density, FHNW, Institut Architektur, Basel 2012) weiter zu denken, damit ein bodennahes Netz entsteht, mit Gebäuden von drei bis vier Geschossen, privaten Gärten, allgemein zugänglichen Plätzen und Eingangstüren der Wohneinheiten direkt in den öffentlichen Raum?

3. Wie lassen sich in gesichtslosen Vorstädten eigene städtebauliche Zentren ausbilden und dadurch Mobilität und Verkehr reduzieren?

4. Wie können wir Architekten unter angrenzenden Gemeinden die Bereitschaft zur Planungskooperation fördern? (Wir sind Mitglieder von Raumpaket, einer interdisziplinären Arbeitsgruppe für die räumliche, soziale und wirtschaftliche Entwicklung von Städten und Gemeinden)

09/2013
Erschliessung und Tragwerk

Beim Entwickeln eines architektonischen Projektes richten wir unsere ersten konstruktiven Überlegungen auf Erschliessung und Tragwerk des zu entwerfenden Gebäudes. Diese beiden Grundaspekte bestimmen das Gerüst des Hauses und legen die darin künftig geltende unveränderliche oder variable Raumstruktur fest. Folgerichtig basieren auf dem auszutarierenden Wechselspiel zwischen Erschliessung und Tragkonstruktion die Form und Anordnung aller Räume, was die beiden nachfolgenden Beispiele prototypisch kurzgefasst veranschaulichen.

Beim Schulhaus Blumenfeld im Zürcher Quartier Affoltern verzahnen sich zwei Tragwerkstypen: Einerseits fixieren die Tragwände unveränderliche Räume für die Klasseneinheiten und Infrastrukturen. Andererseits weist das Gebäude im Kopfbereich eine Stützen-/Platten-Konstruktion auf, um dort zukünftige Veränderungen der Raumorganisation zuzulassen.

Bei der Wohnüberbauung Maaghof im Zürcher Quartier Escher-Wyss / Kreis 5 führt die Tragstruktur aus Stützen und Platten im gesamten Baukorpus zu einer freien Konfiguration der Innenräume und somit zu einer variablen Raumnutzung. Die Größe von Wohneinheiten und deren Raumaufteilung können nach Bedarf ebenso verändert werden wie eine geschossweise oder gar allgemeine Umstrukturierung von Wohnungen zu Open Space-Büros. Die Stützen-/Platten-Tragstruktur hat zur Folge, dass konstruktive Elemente sichtbar bleiben. Während Stützen vor Fenstern in Grossraumbüros, Werkhallen und anderen Zweckbauten als wenig beachtete konstruktive Selbstverständlichkeit gelten, steigt ihre Akzeptanz im Wohnungsbau unter dem Vorzeichen der Raumgestaltung.