16.09 / Wohnüberbauung Sandfoore, Mägenwil

Als erste der drei neuen Nachbarschaften im Planungsgebiet Sandfoore am Bahnhof Mägenwil wird das robuste Raumgerüst der Baugenossenschaft Frohes Wohnen realisiert. Siebzig über Laubengänge erschlossene Wohnungen richten sich auf die obstbaumbestandene Wiese im Süden aus. 

Studienauftrag, 1. Rang, August 2016
Planungsteam
Auftraggeber – Baugenossenschaft Frohes Wohnen Zürich
Architektur – Hanspeter Oester Reto Pfenninger Architekten / Denise Ulrich, Andreas Weiz,
Safia Hachemi (PL), Michel Baumann, Georgina Cavalli, Davide Di Roma, Christoph Schlup, Stefan Willener
Bauleitung – Anderegg Partner AG
Landschaftsarchitektur – noa Landschaftsarchitektur
Gestaltungsplan – Tschudin + Urech AG, Belloli Raum- und Verkehrsplanung
Tragwerk – Gerber+Partner AG
Gebäudetechnik – Amstein + Walthert AG, Schnegg Elektroplanung AG
Spezialisten – BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, HKG Consulting AG
Visualisierung – maaars
Projektbeschrieb

Gemeinsam wohnen in Mägenwil

Fernab urbaner Wohnexperimente setzt „Frohes Wohnen“ im Zentrum der dörflich geprägten Aargauer Gemeinde Mägenwil neue Massstäbe. Die Wohnbaugenossenschaft beabsichtigt auf der Obstwiese beim Bahnhof preisgünstigen Wohnraum für eine breite Mieterschaft zur Verfügung zu stellen. Kantonale Vorgaben zur Verdichtung sind hier mit der kleinmassstäblichen Umgebung, einer hohen Lärmbelastung durch die Bahn und mit der Frage nach der Bedeutung von gemeinschaftlichem Wohnen im ländlich-bürgerlichen Umfeld in Einklang zu bringen.

Zwischen dem baumbestandenen Park um die Villa Strebel und dem heute noch  ausschliesslich gewerblich genutzten Areal der Firma Hauswartprofi nimmt ein grosses Haus alle Wohnungen auf. Die Idee des Zusammenwohnens widerspiegelt sich in den graduellen Abstufungen des Öffentlichkeitsgrades. Strassenseitig markieren klar zonierte Vorbereiche den Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum, wobei an der alten Bahnhofstrasse zusätzlich Vorgärten die Privatheit in den Erdgeschosswohnungen gewährleisten. Offene Lauben die mehr sind als einfach „Gänge“ eröffnen Spielräume für verschiedene Lebenswelten. Der Wohnung zugeordnete, individuell bespielbare Flächen werden von den Bewohnerinnen und Bewohnern angeeignet und tragen somit zum vielfältigen Gesicht der Genossenschaft nach Aussen bei. Sie verbinden alle Wohnungen und sind Begegnungs- und Aufenthaltsraum. Küchen und Esszimmer öffnen sich auf diese Lauben. Wohn- und Schlafräume sind hingegen wie die Balkonzimmer auf den südlichen Freiraum ausgerichtet. Der gemeinschaftlichen steht eine individuelle Seite gegenüber, die Möglichkeiten für Offenheit und Rückzug sind somit im Wohnungsgrundriss eingeschrieben.

Raumgerüst und Verkleidung

Das grosse Gebäude ist als robustes Raumgerüst konzipiert. Konstruktion und Funktion bestimmen die räumliche Komposition der architektonischen Elemente. Sichtbetonstützen auf der einen, gemauerte Wandscheiben auf der anderen Seite prägen die äussere Erscheinung des Gebäudes. Dahinter führt die thermische Hülle einen feineren Massstab ein. Die Fassaden der gedeckten Aussenbereiche, die bereits als Teil der Wohnungen verstanden werden, sind als Leichtbau mit haptischen Qualitäten ausgeführt. Auf den Balkonzimmern wiederholt sich das Spiel mit den verschiedenen Materialien als Variation des Themas. Die partiellen Fassadenbegrünungen der Laubengänge wie auch die textilen Vorhänge bei den Balkonen ergänzen das Bild und schaffen einen differenzierten Ausdruck.

Die Wohnung ist die Fortsetzung des räumlichen Systems, was sich auch in ihrer Materialisierung widerspiegelt. Das Tragwerk in Beton bleibt spürbar, die knapp geschnittenen Wohnungen werden möglichst durchgehend und ruhig materialisiert, um nicht durch zusätzliche Zonierungen das Raumgefühl zu schmälern. Auch hier bilden langlebige Materiealien in zurückhaltender Farbigkeit den Hintergrund für die individuelle Ausgestaltung der Wohnung durch die Bewohnerinnen und Bewohner.

Am Bungert

Zwischen den Baufeldern des Rahmengestaltungsplans Sandfoore bleibt ein wesentlicher Teil der obstbaumbestandenen Wiese als Erinnerung an den ursprünglichen Bungert erhalten. Das winkelförmige Gebäude öffnet sich zu diesem Freiraum hin und umschliesst den Gartenbereich der Siedlung. Pflanzgärten, Sitzmöglichkeiten und eine grosse Rasenfläche für Ballspiele werden dezent integriert. Freiwachsende Blütenstrauchhecken mit Wildrosen, Bauernjasmin, Stockrosen und Flieder gewährleisten die Privatsphäre im Erdgeschoss. Ergänzende Baumpflanzungen mit pflegeleichten Wildkirschen, Apfelbäumen und einer Linde unterstreichen den Charakter der freien Wiese. Neuer Treffpunkt der Genossenschaft ist der zwischen Quartierstrasse und Bungert gelegene Aussensitzplatz vor dem Gemeinschaftsraum. Er verfügt über einen angrenzenden Spielbereich und ist von der Alten Bahnhofstrasse direkt erreichbar. Erschliessungswege und Aufenthaltsbereiche sind im Unterschied zu den asphaltierten Wegen und Strassen mit losen Betonplatten gestaltet.

Die strassenzugewandten Vorbereiche nehmen Veloabstellplätze und Kurzzeitparkplätze auf. Zur baumbestandenen alten Bahnhofstrasse hin wird der Übergang vom öffentlichen zum privaten Raum durch individuell bepflanzbare Vorgärten gekennzeichnet. Deren niedrige Umfassungsmauer bietet sich als Sitzgelegenheit für den nachbarschaftlichen Austausch an. Die mit Kletterpflanzen begrünten Laubengänge verleihen der der Siedlung „Frohes Wohnen“ ihr eigenes Gesicht.