18.12 / Überbauung Freilagerstrasse "Freiley", Zürich

Das Projekt für die Erneuerung des Gewerbeareals an der Freilagerstrasse geht vom Erhalt wesentlicher Gebäude aus und fügt diese durch An- Um- und Zubauten zu einem neuen Ganzen.

Direktauftrag 2018
Planungsteam
Auftraggeber – Ecoreal Schweizerische Immobilien Anlagestiftung, Zürich
Architektur – Hanspeter Oester Reto Pfenninger Architekten / Peter Schuberth (PL), Lea Losinger, Roman Scheuber, Carina Keller, Samuel Benz, Matthias Monn, Norbert Paskó, Katharina Zerlauth
Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG, Zürich / Gudenrath AG, Ziegelbrücke
Baumanagement  – Schwendener Baumanagement, Zürich
HLKS – Häusler Ingenieure AG, Langenthal
Elektroingenieur  – NFI Ingenieure AG, Zürich
Projektbeschrieb


Ganzheit in der Vielfalt

Sowohl hinsichtlich der Auswirkungen auf das Quartier als auch betreffend Wohn- und Aufenthaltsqualität bieten gewachsene Strukturen Mehrwerte, die bei einem Ersatz unwiederbringlich verloren gehen. Geschichte und Atmosphäre des Areals eröffnen die Möglichkeit, Gewerbe- und Wohnraum anzubieten, welcher sich von konventionelleren Angeboten in unmittelbarer Nähe oder der Nachbarschaft unterscheidet und darüber hinaus das Quartier mit Aufenthaltsräumen öffentlichen Charakters bereichert.

Das kleine, gewerblich genutzte Geviert an der 1925 erstellten Verbindungsachse zwischen Zollfreilager und Albisriederstrasse befindet sich an der Schnittstelle zwischen Wohnquartieren und Industriegebiet. Seit der Erstellung der ersten Liegenschaften vor rund 100 Jahren war das Areal einem stetigen Veränderungsprozess unterworfen. Je nach Bedarf wurden einzelne Gebäudeteile umgebaut, ergänzt oder stellenweise ersetzt. Die anhand umfangreicher Dokumente aus dem städtischen Planarchiv nachvollzogenen, meist punktuellen Eingriffe sind ohne übergeordnete Strategie erfolgt. Heute präsentiert sich das Areal als gewachsenes Nebeneinander funktional bestimmter Gebäude deren Nutzungsdiversität die Strukturvielfalt widerspiegelt.

Der 6-Punkte Plan
Konkrete Nutzungsvorstellungen, Aussagen zu räumlichen Qualitäten und die Absicht zeitgemässe Technologien zu nutzen wurden in sechs Punkten zusammengefasst. Diese bildeten die inhaltliche Grundlage für die Konkretisierung der architektonischen und städtebaulichen Aussagen.

1 Freilagerhof: Das typische Raumgefüge des Gewerbeareals bleibt erhalten und wird durch identitätsstiftende Aussenräume gestärkt. Eingestreute Grünbereiche mit Pflanzbeeten und Ruderalflächen mit einheimischen Pflanzen und Gehölzen tragen zum „Gewerbearealcharakter“ bei.

2 Nutzungsmix: Dienstleistungs- und Gewerbenutzungen im Tiefparterre, im Erdgeschoss und teilweise in den Obergeschossen und publikumsorientierte Nutzungen an der Freilagerstrasse bereichern das Areal mit einem hohen Anteil an Kleinwohnungen.

3 Teilobjekte: Das neue Ensemble besteht aus drei eigenständigen, an der Freilagerstrasse adressierten Objekten mit eigenständiger Erscheinung.

4 Cluster für Menschen mit Beeinträchtigung: Zusatzinfrastrukturen und spezifisch ausgebildete Wohnungen ermöglichen Menschen mit Beeinträchtigung ein selbstbestimmtes Wohnen und führen zu einer Durchmischung mit klassischen Wohnformen.

5 Hofpavillon: Unterschiedliche Aufenthalts- und Begegnungszonen werten den Strassenraum und die rückwertigen Hofbereiche auf. Sie stehen Bewohnerinnen und Bewohnern, Gewerbetreibenden und der Nachbarschaft zur Verfügung.

6 Digitaler Fussabdruck: Digitale Installationen sollen den Nutzerinnen und Nutzern der Gebäude soweit wie möglich zur Verfügung stehen Die Gebäude sind so konzipiert, dass Innovationen auch in Zukunft aufgenommen werden können.

Halle, Fabrikgebäude und Wohnhaus
Der Ort wird stark aus der Situation heraus entwickelt. Halle und Fabrikgebäude geben die räumliche Disposition vor. Die Ergänzungen beziehen sich auf die beiden Zeitzeugen und nehmen, sowohl volumetrisch als auch von ihrer Nutzung her, Bezug auf die direkte Nachbarschaft. Die drei Gebäude, sind eigenständige Bauten mit jeweils eigener Adressierung. Sie stellen, sowohl in ihrer Höhe, Länge wie auch in ihrer Breite geometrische und volumetrische Bezüge zu ihren Nachbargebäuden her. Dieses Spiel von Verwandtschaft und Eigenständigkeit wird bei der Gestaltung der Fassaden weitergeführt. Die Ausformulierung des allseitig öffentlich zugänglichen Freiraums greift den Charakter des gewachsenen Gewerbeclusters auf. Geprägt von Nutzung und Erscheinung der drei, die ganze Tiefe der Parzelle einnehmenden Gebäude, binden Aufenthaltsbereiche mit unterschiedlichen Qualitäten das Ensemble zusammen.

Der Fabrikbau in der Mitte des Areals mit Sous-Parterre, Hochparterre und zwei Obergeschossen wird aufgestockt und zum Wohnhaus mit Gewerberäumen umgenutzt. Wesentliche Elemente wie Fassaden- und Tragstruktur oder die Laderampen bleiben erhalten. Das Gebäude ist über den arealinternen Gassenraum erschlossen und an die Freilagerstrasse angebunden. Die bestehende Zufahrt auf der Nordwestseite führt zur Tiefgarage für das gesamte Areal im Nachbargebäude.

Der Ersatzneubau an der Freilagerstrasse 5 lehnt sich in Dimension und Ausrichtung an den Fabrikbau an und bildet zum Wohnhaus im Südosten einen hofartigen Garten aus. Der 5-geschossige Baukörper mit Attika ist ebenfalls über den arealinternen Gassenraum erschlossen und an die Freilagerstrasse angebunden. Im Erdgeschoss sind voll ausgebaute Wohnungen für Menschen mit Beeinträchtigung vorgesehen. In den oberen Geschossen erschliesst eine Rue Interieure effizient organisierte, mehrheitlich kleine Wohnungen. Zwei Untergeschosse nehmen die Tiefgarage auf. Besucherparkplätze werden bei allen Gebäuden entlang der Nordost-Fassade, Veloabstellplätze entlang der Südwest-Fassade angeordnet.

Die Halle an der Freilagerstrasse 19 bleibt bestehen und wird durch einen 5-geschossigen Punktbau mit Attika anstelle des bestehenden Kopfbaus ergänzt. Haupteingang und Adressierung erfolgen seitlich zum Gassenraum Richtung Freilagerstrasse 11. Die Erschliessung für das gesamte Gebäude wird im Neubau integriert. Die Halle steht für nicht störendes Gewerbe zur Verfügung. Der Neubau kann in Erd- und Obergeschossen Gewerbenutzungen aufnehmen, die Grundrissdisposition lässt jedoch auch Wohnungen zu.