16.06 / Städtebauliche Entwicklungsstudie Krone, Wald

Die Konzentration von Pflege- und Altersheim im Ortszentrum spielt zwei prominente, seit hundert Jahren über dem Dorf thronende Liegenschaften frei. Die Umnutzung dieser Pflegeinstitutionen zu Wohnsiedlungen für ein generationendurchmischtes Publikum trägt der Relevanz dieser öffentlichen Orte für die Bevölkerung Rechnung.

Studie, Januar 2017

Planungsteam
Auftraggeber – Stiftung drei Tannen Wald ZH
Architektur – op-arch | Peter Schuberth
Projektbeschrieb

Transformationen an prominenter Lage

Drei öffentliche Gebäude auf den Geländeterrassen über dem Ortskern von Wald ZH zeugen bis heute von den gesellschaftlichen und räumlichen Veränderungen vor rund hundert Jahren. Im voralpinen Teil des Zürcher Oberlands begünstigten die für das Hügelland typische Besiedlung mit kleinen Einzelhöfen und die schwierigen Verhältnisse für die Landwirtschaft die Verbreitung von Heimarbeit und Verlagswesen. Hiermit wurden wiederum die Strukturen und Handelsbeziehungen geschaffen, welche die erfolgreiche Ansiedlung der Textilindustrie und ihre europaweit strahlende Blüte in den 1960er-Jahren ermöglichten. Mit dem steten Zuzug von Arbeiterinnen und Arbeitern in die Gemeinde Wald entstanden um die Jahrhundertwende neben Fabriken, Fabrikantenvillen und Kosthäusern auch Spital, Schulhaus und Bürgerasyl an prominenten Lagen. Während das Schulhaus nach wie vor als solches in Betrieb ist, werden Spital und Bürgerasyl heute von der Stiftung „drei Tannen“ als Pflege- und Altersheim betrieben. Die Bewohnerinnen und Bewohner beider Gebäude werden jedoch voraussichtlich Ende 2019 den zentraler gelegenen Neubau im Rosenthal beziehen. Die Stiftung beabsichtigt anstelle der Alters- und Pflegeheime generationendurchmischte Wohnsiedlungen zu betreiben.

Beide Areale wurden im Laufe der BZO-Revision von der öffentlichen Zone zur Wohnzone umgezont und unterliegen deshalb der Gestaltungsplanpflicht. Das Pflegeheim ist nicht inventarisiert; Stellung und Volumetrie des Hauptbaus sollen jedoch bei einem Ersatz beibehalten werden. Der Hauptbau des Altersheims ist hingegen im kommunalen Inventar aufgeführt. Ausserdem schliesst der GP-Pflichtperimeter hier gemeindeeigene Parzellen mit ein. Obwohl die Areale aufgrund ihrer Nutzung, Entstehungsgeschichte und der geografischen Lage Ähnlichkeiten aufweisen, zeigen sich bei näherer Betrachtung grosse Unterschiede für die weitere Entwicklung.

Für das Pflegeheim werden anhand von drei konzeptionellen Ansätzen planerische Spielräume ausgelotet. Die volumetrische Analogie erfüllt die in der Bau- und Zonenordnung formulierten Anforderungen für das Gestaltungsplan-Pflichtgebiet und ermöglicht somit sowohl eine Sanierung als auch einen Ersatzneubau. Die weiteren Vorschläge, eine programmatische und eine kontextuelle Analogie, lehnen sich inhaltlich an die Bedeutung der Vorgängerbauten an. Sie gehen vom Ersatz der bestehenden Gebäude aus und greifen die Frage nach möglichen Potenzialen auf, die dadurch zusätzlich entstehen könnten.

Die Studien für die weitere Entwicklung des Altersheims schliessen das Areal der landwirtschaftlichen Hofanlage ein. Die Überbauung der Hangbereiche wurde sowohl aus ortsbaulicher Sicht als auch aufgrund der schwierigen Erschliessung ausgeschlossen. Mit der Absicht, das auf den Hangbereichen realisierbare Bauvolumen auf die Geländeterrasse zu transferieren, geht der Betrachtungsperimeter über die Parzellen der Stiftung hinaus. Die Strategie für die Weiterentwicklung des bestehenden Ensembles aus Altersheim und Landwirtschaftsbetrieb besteht in der schrittweisen Erweiterung des Weilers durch Addition von in die Topografie eingepassten Einzelgebäuden. So wird eine Transformation des landwirtschaftlichen Ensembles zur Wohnsiedlung ermöglicht. Zusammengefasst werden neue und bestehende Bauten durch eine alle Gebäude anbindende Erschliessungszone, welche dem Charakter der Anlage entspricht. Gewohnt wird somit nicht vorne oder hinten, sondern im Weiler. Mit dem Erhalt des Bauernhauses und einzelner Wirtschaftsbauten bleiben Referenzen an das ursprüngliche Ensemble bestehen.