12.03 / Kloster Heiligkreuz, Cham

Wettbewerb, August 2012

Planungsteam
Auftraggeber – Kloster Heiligkreuz Cham
Architektur – agps architecture ltd. / Marc Angélil, Hanspeter Oester, Reto Pfenninger, Olympia Georgoudaki, Manuel Scholl (PV), Denise Ulrich (PL) / in Zusammenarbeit mit Graf Stampfli Jenni Architekten Landschaftsarchitektur – Hansjörg Gadient Landschaftsarchitekt
Projektbeschrieb

Die räumliche Ordnung entspricht der klösterlichen Tagesordnung nach Stunden

Ausgangspunkt für unsere Überlegungen bildet die Benediktsregel aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Der Gründer des Benediktinerordens teilte den ganzen Tageslauf in Stunden des Gebets, der Arbeit, des Essens, der Meditation und des Schlafens ein. Diesen Verrichtungen wurden bestimmte Gebäude zugeordnet. Der Tagesordnung nach Stunden entsprach eine Tagesordnung nach Räumen. Aus deren Übereinstimmung erwuchs das Klostergebäude und entwickelten sich die Prinzipien der Klosterarchitektur.

Das «ideale» Kloster

Die früheste Darstellung eines idealen Klosterbezirks, der Klosterplan von St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert bildet die räumliche Entsprechung zur Regel des Heiligen Benedikts. Jedem Gebäude und Aussenraum ist eine Nutzung zugeordnet. Deren Form und Anordnung entstehen aus der Funktion, die Gesamtfigur aus den Funktionsabläufen und deren Bedeutung und Hierarchie. Der Reihenfolge Kirche, Kapitelsaal, Refektorium, Wohn- und Wirtschaftsgebäude entspricht die deutliche Gliederung des Klosters in innere und äussere Bereiche. Neben Räumen welche den Brüdern oder Schwestern vorbehalten sind, lassen sich Bereiche ablesen, wo sich die weltliche und die klösterliche Welt treffen. Gebäude zur Versorgung des Klosters vervollständigen die Anlage.

Raum- und Nutzungsstruktur spiegeln sich auch im räumlichen Verhältnis der Baukörper zur Klostermauer wieder. Dabei sind vier verschiedene Typen ablesbar: Innerhalb der Mauer, zwischen Mauer und innenliegendem Gebäude, an der Klostermauer oder ausserhalb der Klostermauer.

Weiterführen der kontinuierlichen Entwicklung um Identität und Qualität des Ortes zu bewahren

Die den Ort prägende historische kirchliche Anlage soll durch einen weltlichen Teil ergänzt werden, welcher die bauliche Entwicklung innerhalb der Gesamtfigur auf selbstverständliche Weise fortschreibt. Die räumliche Vielfalt wird durch die Erweiterung der baulichen Komposition bereichert indem die bestehenden Strukturen respektiert und weitergeführt werden. Durch die Stärkung der Hauptelemente nähert sich die Anlage der einheitlichen Gesamtfigur der Dreissigerjahre an. Die klare Gliederung erfolgt – analog zur bisherigen Entwicklung – über die Zuordnung der Nutzungen. Die bestehenden Aussenräume werden entsprechend akzentuiert, deren spezifische Qualitäten gestärkt und ergänzt, sowie die wertvollen Bäume in die neue Anlage integriert.

Morgen

In der ersten Etappe wird der sechsgeschossige Neubau für Wohnen als Verlängerung Schwesternhauses, der zwei- bis dreigeschossige Neubau der Klinik als Erweiterung der Klostermauer sowie der südliche Trakt des westlichen Neubaus für Personalwohnungen und Wohngemeinschaften realisiert. Dadurch erhalten die beiden grossen Aussenräume – Gartenhof im Süden und Parkhof im Norden – im Zusammenwirken mit den bestehenden Bauten bereits in der ersten Etappe ihre klare räumliche Definition. Die Gesamtfigur erreicht die angestrebte Ausdehnung und Form.

Analog zur Klosterpforte erhält der neue Teil der Gesamtanlage einen zentralen Ankunftsort im Erdgeschoss der Verlängerung des Schwesternhauses. Hier befindet sich, neben dem Restaurant, der Durchgang zu Gartenhof und Klinikgebäude in Form einer offenen Halle. Gästen, Besuchern und Spaziergängern steht der Parkhof zur Verfügung, sie kehren im Restaurant ein. Die parkartige Gestaltung schafft einen öffentlichen Ort für Begegnungen. In den oberen Geschossen konzentrieren sich Alterswohnungen um einen zentralen Erschliessungsraum.

Das Klinikgebäude nimmt die öffentlichen Nutzungen auf, welche eine gewisse Ruhe erfordern. Gemeinschaftsräume und Bibliothek sowie die Räume für unterschiedliche Dienstleistungen, welche auch von Aussen und den Bewohnern der anderen Gebäude genutzt werden, befinden sich im Erdgeschoss des vordersten Gebäudeteils. Nach Süden sind die eher intimeren und introvertierten Räume angeordnet.

Der Gartenhof wird nach Westen erweitert und durch die neue Bebauung präzis gefasst. Eine klare Zonierung, ermöglicht die Zuordnung der drei Teilbereiche zu den angrenzenden Nutzungen und gewährleistet die Ruhe für das Schwesternhaus. Der Kräutergarten wird vom Kloster weitergenutzt. Er kann langfristig in einfache Rasenfelder oder Langgraswiesen umgewandelt werden. Das Baumdach aus geschnittenen Kastanien wird ergänzt, wieder hergestellt und nach Westen hin mit einer Stützmauer eingefasst. Der neue Bereich ist durch zwei Felder mit Robinsonschen Blumenwiesen und umlaufenden Gehwegen mit Kiesbelag gestaltet.

Der Neubau im Westen des Areals ist geeignet für Wohngemeinschaften und Personalwohnungen. Die Erschliessung erfolgt ab dem Parkhof, Balkone, Wohn- und Schlafräume richten sich zur Landschaft hin, wo das landschaftliche Element der bestehenden Obstbaumbepflanzung mit Kirschen-Hochstämmen bis an die Bebauung geführt wird. Die Neubauten schaffen eine klare Abgrenzung der Gesamtanlage zur Hügellandschaft wie dies die historische Bebauung auf der Ostseite bereits bewirkt.

Das Boskett im Süden wird in die Gesamtanlage integriert und dient als Aufenthaltsbereich für alle Bewohner und Besucher. Das Unterholz wird etwas ausgelichtet, so dass Raum für einen naturnah gestalteten Sitzplatz entsteht.

Übermorgen

In der zweiten Etappe werden das Personalgebäude ersetzt, das Kindergartengebäude entfernt und das bestehende Werkstattgebäude umgenutzt. Das Wohngebäude für den Gutshof wird auf der Nordseite der Strasse gegenüber dem Bauerhaus realisiert, das Gästehaus wird durch einen Neubau ersetzt. Durch die vorgeschlagene Bebauung entsteht, ein grosszügiger zusammenhängender Hof von der Kirche bis zum neuen Wohngebäude im Westen. Dieser wird durch die  Kapelle in zwei Bereiche zoniert: in den Ziergarten mit baumbestandenen, geometrisch angeordneten Rasenfeldern und in den weiter entwickelten Parkhof, der den Zugangsbereich mit Vorfahrt sowohl zur Pforte des kirchlichen Bereichs als auch zum Empfangsbereich des neuen weltlichen Teils bildet. Der Bestand der grossen Bäume wird mit Ausnahme der Tannen integriert; ergänzende Baumpflanzungen bilden ein Dach für den Aussenbereich des Restaurants. Die Zufahrt zur Einstellhalle stellt den einzigen Eingriff der ersten Etappe dar. Sie erfolgt unterirdisch direkt ab der Strasse.

Überübermorgen

Langfristig ist eine Erneuerung des Schwesternhauses für eine zu diesem Zeitpunkt relevante Wohnnutzung durch Transformation oder Neubau im Perimeter des Bestandes unter Erhalt des Kapellengebäudes vorgesehen. Dabei wird das Volumen in seiner Höhenausdehnung auf die Traufkante von Kirche und Querbau begrenzt. So tritt die Kirche innerhalb der Gesamtanlage wieder in der ihr angemessenen Bedeutung in Erscheinung und die Gesamtanlage erhält das angestrebte räumlich volumetrische Gleichgewicht.