16.16 / Neubau Polizeigebäude, Aarau

Das neue Polizeigebäude definiert in südlicher Richtung den Übergang zum Aarauer Stadtkörper und gibt der anonymen Tellistrasse ein Gesicht. Zwischen Einkaufszentrum und neuem Polizeigebäude bleibt auf dem Parkgaragensockel ein Freiraum, der zum adressbildenden Ort wird, mit strassenseitigen Eingängen für das Polizeipersonal und mit Zugängen für die Staatsanwaltschaft am Gebäudeende.

Projektwettbewerb, 2.Phase, Januar 2018

Planungsteam
Auftraggeber – Kanton Aargau, Departement Finanzen und Ressourcen
Architektur – op-arch | Christoph Morgenthaler
Landschaftsarchitektur – Mavo GmbH
Bauingenieur – Thomas Boyle + Partner AG
Haustechnik – Amstein + Walthert Progress AG
Visualisierung – Maaars Architektur Visualisierungen
Projektbeschrieb


Die Telli

Aus landschaftsräumlicher Sicht liegt die Telli im ehemaligen Flussraum der Aare ganz nahe an ihrem Naherholungsgebiet. Die Freiräume der Überbauung Telli beziehen sich stark auf diese Räume: Ein starker Gehölzsaum bindet das Areal grossräumig an die Aue Summergrien. Dieser Gehölzgürtel bestimmt auch den Charakter der Tellistrasse, die noch heute daran erinnert, dass sie ursprünglich eine Überlandstrasse war. Innerhalb der Siedlung strukturieren Baumgruppen (Clumps) die im Stile der englischen Landschaftsgärten angelegte Gartenlandschaft und binden so die Gehölzstruktur des Sängelbaches mit ein.

Neues Polizeigebäude

Der Telli-Gestaltungsplan umreisst die Lage des neuen Polizeigebäudes schon weitgehend. Der städtebaulichen Ausformulierung des Komplexes kommt dadurch aber nicht weniger Bedeutung zu.

Indem die Parkgarage unter den Sockel des Neubaus geschoben wird – was durch die Platzierung der Schiessräume im Dachgeschoss möglich wird – verbleibt auch in Zukunft eine Lücke zum Einkaufszentrum. Dieser Freiraum und seine Beziehung zur Telli wird gestalterisch aufgewertet, er wird aber auch zum adressbildenden Raum: mit Eingängen für das Polizeipersonal am Gebäudeauftakt an der Tellistrasse und für die Staatsanwaltschaft am Gebäudeende.

Die südliche Stirn des Neubaus formuliert bereits mit der ersten Bauetappe den Übergang zum Stadtkörper Aaraus und gibt der heute anonymen Tellistrasse ein Gesicht. Das vom dortigen Eingang aufsteigende Treppenhaus wird mit vorgelagerten Balkonen betont, die eine architektonisch räumliche Transparenz zum Stadtraum herstellen und für kurze Verschnaufpausen dienen.

In der Tiefe des Raumes, am nördlichen Ende der ersten Etappe, steigt in analoger Weise das zweite Treppenhaus auf. Mit dem Unterschied, dass dessen vorerst laterale Lage in Zukunft im Gebäude liegen und auch die zweite Etappe erschliessen wird.

Freiraum

Das Freiraumkonzept baut auf der Charakteristik des Bestandes auf: Der Baumsaum entlang der Tellistrasse wird gestärkt. Zugunsten einer visuellen Transparenz wird die bestehende Strauchschicht jedoch ausgelichtet. Daraus entwickelt sich der lichte städtische Hain aus Buchen, Ahorn und Föhren, welcher das Bild des Verbindungsraumes zwischen Einkaufszentrum und Polizeineubau bestimmt. Dieser neue, Identität stiftende Freiraum auf dem Stadtboden garantiert eine grosszügige Vernetzung des Telli-Areals mit den südlich gelegenen Sportanlagen. Gleichzeitig bietet er aber auch unterschiedliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Die Platzierung der neuen Eingänge, das Schaffen einer angenehmen Verbindung zum Coop-Restaurant und die als Schaufenster des Polizeimuseums ausgebildete Sockelfassade bespielen diesen neuen platzartigen Zugangsraum zur Telli.

Der neue Dachgarten wird zum gemeinsamen Erholungsraum für die Mitarbeitenden von Alt- und Neubau. Unterschiedlich hohe Strauch- und Krautbänder strukturieren den Raum. Die wildheckenartigen Bänder mit einheimischen Blütensträuchern wie z.B. Hasel und Felsenbirnen schaffen Distanz zu den erdgeschossigen Nutzungen und den Hundezwingern und bieten vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten. Ein Workout-Parcours ergänzt das Nutzungsangebot. Die nötigen Aufbauten für die Bepflanzung werden durch geometrische Aufschüttungen, welche auf die statische Struktur abgestimmt sind, erreicht.

Das Meteorwasser wird wo immer möglich über humusierte Flächen vor Ort versickert. Ist dies nicht möglich, wird es wie die Überläufe des Dachgartens über oberflächige Rinnen und via bepflanzte Retentionssickerbecken gereinigt in den Sängelbach geleitet.

Architektur

«Es wächst zusammen, was zusammen gehört»

Wenn Schiessräume unter das Dach zu liegen kommen und eine Parkgarage als Schaufenster der Polizeigeschichte erscheint, können das keine Zufälle sein. Neben den oben beschriebenen städtebaulichen Vorzügen handelt es sich im einen Fall um einen Ausdruck Zeit gemässer Polizeiausbildung und im anderen Fall um Transparenz – im Sinn von Information als inhaltliche Transparenz.

Aber der Reihe nach: Das Raumprogramm für die Erweiterung der Aargauer Kantonspolizei sieht neben den Büros für Polizei und Staatsanwaltschaft auch zahlreiche Parkplätze und Trainingseinrichtungen vor. Darunter ein «Schiesskeller», der – nomen est omen – im Normalfall unter Terrain anzutreffen ist. Zieht man in Betracht, dass die Parkgarage genau dort sehr viel Platz benötigt und berücksichtigen wir, dass das Schiessen zum Trainingsbetrieb gehört, ist seine Integration ins Trainingszentrum sehr sinnvoll. Und die leichte Übergrösse des Warenliftes damit zu erklären, dass auch einmal ein Auto für Trainingszwecke den Weg ins oberste Geschoss finden kann.

Staffelung der Betriebseinheiten

Die verschiedenen Betriebseinheiten werden geschossweise übereinander angeordnet. Das führt zu einer guten internen Kommunikation und einfachen Sicherheitsperimetern. Die Parkgarage, welche im Sockel des Neubaus angeordnet ist, besitzt eine Fassade zum städtebaulich wichtigen Freiraum zwischen Einkaufszentrum, Polizeigebäude und Telli. Diese Fassade dient als Schaufenster für Exponate aus dem Polizeimuseum, welches damit auf informelle Weise für die Passanten erlebbar wird.

Über dem Sockel aufwärts liegen die Bürogeschosse. Sie sind durch die Verbindungsterrasse direkt am bestehenden Gebäude angebunden.
In den obersten zwei Geschossen liegt das Trainingszentrum. Seine Lage oberhalb der kleinen Spannweiten eines klassischen Bürorasters erlaubt im 5. Obergeschoss auf einfache Weise die Ausbildung von grossen Spannweiten und damit stützenfreien Schiessräumen. Diese werden schalltechnisch entkoppelt als «Raum im Raum» ausgebildet, die Masse ihrer Kugelfänge unterstützt dabei den Schallschutz.

Innere Struktur

Alle Arbeitsplätze liegen gleichberechtigt und gut belichtet entlang den ost- und westorientierten Längsfassaden. Das Fassadenraster ist so aufgebaut, dass alle gewünschten Arbeitsplatz- und Bürogrössen angeboten werden können. Die Kombination aus modularer Technikverteilung aus den Mittelzonen und Leichtbauwänden des Innenausbaus ermöglicht eine hohe räumliche Flexibilität für künftige Bedürfnisse.

Äussere Erscheinung

Die Staffelung der Betriebseinheiten findet ihre Entsprechung in der äusseren Erscheinung des Gebäudes: Parkgarage, Büros und Trainingszentrum erscheinen als Sockel, feingliedrige Regelgeschosse und charaktervolle Attika. Diese oberste, lichtdurchlässige Hülle lässt dort wo gewünscht Tageslicht ins 5. Obergeschoss und schafft nach Innen eine angenehm introvertierte Raumstimmung. Während sie nach Aussen als «Dachkrone» dem neuen Polizeigebäude einen zurückhaltend glanzvollen Auftritt verschafft.