24.08 / Areal Dozza, Küsnacht (ZH)
Studienauftrag 2024
Planungsteam
Auftraggeberin – Genossenschaft Migros, Zürich
Architektur – op-arch | Sarah Weber, Veronica Callà, Katharina Zerlauth, Jan Heidbrink
Freiraum – Nipkow Landschaftsarchitektur AG, Zürich
Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG, Zürich
Visualisierung - indievisual AG, Zürich
Die Transformation des heutigen, heterogenen Gewerbe- und Wohnareals zu einer hochwertigen Wohnsiedlung steht massgeblich unter dem Einfluss der Lage am See und der stark befahrenen Seestrasse – beides auf derselben Seite gelegen – sowie den seitlich anschliessenden Gewerbe- und Wohnarealen. Diese bieten keine übergeordneten, den Ort definierenden Raum-Strukturen, an welche die neue Siedlung anknüpfen könnte. Das Projekt Skarabäus klärt die ortsbauliche Struktur durch ein einfaches, prägendes Raumgefüge: Die Bebauung besetzt das Grundstück zwischen Seestrasse und Bahnlinie zentral und nutzt den Umschwung, um Teile der bestehenden peripheren Bepflanzung zu erhalten, als lichten Grünfilter zur Nachbarschaft weiterzuentwickeln und entlang beider Grundstücksflanken seewärts orientierte Freiraumachsen zu etablieren.
Über diese Freiraumachsen verfügen sämtliche Wohnungen über einen direkten visuellen Bezug zum See und profitieren vom grosszügigen Charakter der Aussenräume, die von Baumpflanzungen gesäumt sind und eine ruhige, kontemplative Atmosphäre schaffen, welche auch den Nachbargrundstücken zugutekommen.
Die Volumetrie der Neubauten wird massgeblich von der 45°-Ausdrehung der Wohnungseinheiten zur Falllinie des Hangs geprägt. Dieser Schachzug ist gleichermassen einfach wie wirkungsvoll. Die Zimmer aller Wohnung können strassenabgewandt belüftet und belichtet werden, während alle Tagesbereiche und die privaten Aussenräumen gleichzeitig auch Richtung See und weitem Horizont orientiert sind. Durch die spezifische Gebäudegeometrie entstehen räumlich reichhaltige Wohnlandschaften. Die Drei- bis Vierzimmerwohnungen an den Eckpositionen orientieren sich zu drei Himmelsrichtungen und bieten spannende diagonale Raumbezüge. Die Zweizimmerwohnungen sind einerseits Richtung See, anderseits rückwärtig in den Freiraum orientiert. Allen Wohnungen gemeinsam ist die zentrale Anordnung ihrer privaten Aussenräume. Sie strukturieren die räumlichen Orientierungen von Wohn- Essbereich und den Schlafzimmern, sind seeseitig orientiert, seitlich und rückwärtig von Kletterpflanzen umhüllt und schaffen damit eine private, intime Atmosphäre mit hoher Aufenthaltsqualität.
Als Herzstücke der Gebäude bieten die innenliegenden Erschliessungskerne eine spannungsvolle räumliche Dramaturgie. Die erdgeschossige Raumsequenz führt von jeder Stirnseite über gedeckte Aussenräume in ein Vestibül, welches die erdgeschossigen Eckwohnungen erschliesst und zu den lichtdurchfluteten Treppenhäusern überleitet. Darauf folgt ein weiteres Vestibül, welches die Kleinwohnungen in den Gebäudeflanken erschliesst und den Lift und eine kleine Verbindungstreppe aufnimmt, welche die Splitlevel der Gebäude fussläufig miteinander verbindet. Die Ebene der Einstellhalle, im Alltag häufig durchschritten, ist räumlich mit der Erschliessungssequenz und den Lichtkuppeln der Treppenhäuser verbunden. Auch die Wohnungen können mit grosszügigen Glasbaustein-Einsätzen, welche die Entrées belichten, von den hellen Treppenhäusern profitieren und diese gleichzeitig visuell beleben.
Bauphysik, Gebäudetechnik, Nachhaltigkeit
Architektur, Tragwerk, Bauphysik und Gebäudetechnik sind eng aufeinander abgestimmt. Der Schutz gegen den Strassenlärm wird über die um 45° ausgedrehten Wohnungsgrundrisse gewährleistet, womit lärmabgewandt gelüftet werden kann.
(Diagramm Lärm)
Der Materialeinsatz erfolgt der jeweiligen Funktion angepasst (Tragen, Schützen, Trennen, Dämmen) mit jeweils optimal geeigneten, wirtschaftlichen Baustoffen unter Berücksichtigung der verschiedenen Lebenszyklen und unter strikter Einhaltung der Systemtrennung.
Der Schallschutz zwischen den Geschossen wir durch die schlanken Ortbetondecken und die darauf liegende Kiesschüttung gewährleistet, bei welcher keine Austrocknungszeiten für die weiteren Aufbauten abgewartet werden müssen. Die Elektroinstallationen werden in dieser Schicht geführt, um die Statik der Betondecken zu entlasten und für künftige Flexibilität zu sorgen.
Die Hygienelüftung erfolgt mittels der Badabluft, ergänzt durch eine optionale Komfortlüftung mit dezentralen Lüftern mit WRG. Diese können pro Raum in die Fassade integriert werden, wodurch wiederum keine Deckeneinlagen erforderlich sind und die Systemtrennung gewährleistet wird. Über die Bodenheizung in Trockenbau, welche von Erdwärmesonden und Wärmepumpen versorgt wird, kann sowohl geheizt wie im Sommer gekühlt werden, wobei gleichzeitig der Erdwärmespeicher regeneriert wird.
Das Gebäudetechnikkonzept kommt mit minimalen Technikflächen aus, sowohl was die Steigzonen wie die Technikzentralen betrifft, zeichnet sich durch einen tiefen Betriebsenergieverbrauch aus und führt zu entsprechend tiefe Kosten und einer guten CO2-Bilanz im Betrieb. Durch den minimierten Einsatz von Recyclingbeton mit CEM IIIA/B Zement, dem zementlosen Trockenaufbau, der Fassade aus Holzelementen mit langlebiger Metallhaut und dem Ausbau in Leichtbauweise ergibt sich auch für die Erstellung eine sehr gute CO2-Bilanz bei gleichzeitig wirtschaftlichen Erstellungskosten.








