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24.16 / Siedlung Blickpunkt Station Urdorf, Schlieren

Studienauftrag 2024

Planungsteam
Auftraggeberin – Stadtbauentwicklungs AG, Volketswil
Architektur – op-arch | Manuel Kost, Pablo Grünig, Veronica Callà
Freiraum – Albiez de Tomasi GmbH, Zürich
Tragwerk – Büro Thomas Boyle + Partner AG, Zürich
Visualisierung - indievisual AG, Zürich

Projektbeschrieb

Architektur

Ausgangslage

Am Nordosthang des "Buechhoger", zwischen der Station Urdorf und dem Wald, über der Wiese "Hohfuren" und unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Urdorf liegen die Areale der Otto Weibel AG und der ehemaligen Sax-Farbenfabrik mit der Fabrikantenvilla aus dem Jahr 1906. Auf den beiden Parzellen östlich und westlich der Villa sollen sämtliche bestehende Gewerbebauten abgetragen, der kontaminierte Boden gereinigt und für zukünftiges Wohnen freigegeben werden. Ein Rückbau, welcher an die Situation von 1930 auf der Siegfriedkarte erinnert: Nur die Station Urdorf und die elegante Linienführung der Bahn entlang der Topografie des "Buechhoger", umgeben von Wiesen und Wäldern, formen und prägen diesen einmaligen Ort.

Bestand

Die Gewerbekonglomerate auf beiden Seiten der Villa teilen sich die Auffahrt und die etwas höher gelegenen, asphaltierten Verkehrsflächen für die Anlieferung und die Parkierung. Diese besondere Konstellation von zwei flankierenden, niedrigen und aneinandergebauten Gebäudeeinheiten mit ihrer gemeinsamen Erschliessung und ihrem beidseitig respektvollen Abstand zur Villa ordnen diesen einmaligen Ort am Waldrand hoch über der Station Urdorf.

Etappierung

Sowohl für Etappe 1 wie auch für Etappe 2 bildet die Konfiguration des Bestandes des über die vergangenen Jahrzehnte gewachsenen Gebäudekonglomerats die Ausgangslage für die neuen Wohnanlagen. Das vielfältige und bestehende Gewerbegefüge, ähnlich das einer "konglomeraten Ordnung" (Alison & Peter Smithson, Italienische Gedanken) soll als volumetrische Idee für die beiden Etappen der Wohnanlage beigezogen werden. Die Grundrissfiguren der unterschiedlichen Wohnungstypen sind so ineinander verschränkt und in die anspruchsvolle Parzellengeometrie gesetzt, dass sich die Volumetrie erst auf den zweiten Blick und mit einer gelassenen Zurückhaltung vom bestehenden Gewerbegefüge zu unter-scheiden vermag. Ein weiterer ortsbaulicher Aspekt ist der Verzicht auf ein viertes Regelgeschoss. Die beiden dreigeschossigen Siedlungsteppiche, zusammen mit der Villa, bilden so keine dominante Silhouette an dieser bereits sehr exponierten, sensiblen und erhöhten Lage über der Station Urdorf.

Adressierung & Erschliessung

Der erhöhte Siedlungsplatz zwischen den beiden Wohnclustern bildet zusammen mit der bestehenden Villa die Wohnadresse für alle drei Häuser. Von diesem Platz aus führen die Zugangswege in die beiden Eingangshallen der neuen Häuser. Das Foyer der jeweiligen Etappe, mit Briefkästen und Paketboxanlage ausgestattet, ist gleichzeitig auch der Gemeinschaftsraum der Anlage und so gestaltet, dass die beiden Treppenhäuser auch während Veranstaltungen angenehm erreichbar sind. Entlang der Stationsstrasse liegen nur die Einfahrten der Parkgaragen, der Fahrradabstellplätze und die privaten Zugänge zu den einzelnen Treppenhäusern.

Stockwerk- & Miteigentum

Jedes der beiden Wohncluster hat jeweils ein Treppenhaus für das Stockwerkeigentum und eines für das Miteigentum. Jedes Treppenhaus wiederum erschliesst auf jeder Etage fünf unterschiedlich grosse Wohnungen. Das östliche Treppenhaus der Etappe 1 und das westliche Treppenhaus der Etappe 2 ist für die Stockwerkeigentümerschaft vorgesehen.

Wohnen

In der Einleitung des Programms auf Seite 2 beschreibt die Auftraggeberin: "innovative Ansätze werden der Wiederholung veralteter Muster vorgezogen". Unser Beitrag zu diesem Hinweis basiert auf differenziert, der jeweiligen Lage entsprechend ausgearbeiteten Wohngrundrissen, welche sich alle auf mindestens zwei Seiten zur Landschaft hin ausrichten. Gemeinsam ist Ihnen ein grosses Treppenhaus, welches auf jedem Stockwerk eine 21/2, zwei 31/2, eine 41/2 und eine 51/2 Zimmerwohnung verbindet.

Tragwerk

Das dreigeschossige Wohnhaus mit Attika der ersten Etappe ist konventionell in Massivbauweise mit Flachdecken und tragenden Wänden in Stahlbeton geplant. Unkonventionell hingegen ist die Reduktion der Deckenstärke auf die akustisch minimal zulässigen 18cm, mit der Absicht, nicht nur Kosten zu minimieren, sondern auch eine Reduktion des CO2 -Abdrucks. Eine Systemtrennung mit Verteilung aller Haustechnik- und Elektroleitungen ausserhalb der Ortbetondecke ist deshalb zwingend.

Möglich gemacht wird diese geringe Deckenstärke durch kurze tragende Wände innerhalb der Wohnungen, welche, wie die tragenden Fassadenwände auch, eher unkonventionell aus 15cm dünnen, vorfabrizierten Betonelementen bestehen. So kann auch eine Verkürzung der Bauzeit erreicht werden. Die restlichen Wände werden nachträglich in Leichtbauweise erstellt. Durch die Minimierung der Eigenlast der Geschosse und die Verteilung der Gebäudelasten auf die Wände wird die Abfangung über der Einstellhalle im ersten Untergeschoss erleichtert.

Haustechnik

Für die Wärmeerzeugung ist Erdwärme als Energieträger geplant. Unter der Bodenplatte oder im nahegelegenen Projektumfeld sollen die Erdsonden gebohrt werden. Im zentral angeordneten Heizungsraum wird die Energie mittels Sole-Wasser-Wärmepumpen auf ein höheres Temperaturniveau gebracht und via Heizgruppen zu den Wohnungen verteilt. Die Wärmeabgabe erfolgt im gesamten Gebäude via Niedertemperatur-Bodenheizung. Im Sommer können die Anhydritböden zusätzlich mittels Natural-Cooling aktiviert werden. Ein Positiver Aspekt vom Natural-Cooling (Freecooling) ist die Regeneration der Erd-sonden im Sommer.

Die Wohnungen sollen mit einer Grundwohnungslüftung ausgestattet werden. Dieses System beinhaltet ein zentrales Lüftungsgerät inkl. Wärmerückgewinnung je Treppenhaus im Untergeschoss. Die Zuluft wird über Steigzonen in die Wohnungen geführt, wo sie über einen konstanten Volumenstromregler an zentraler Stelle in den Wohnraum eingeblasen wird. Die Abluft wird in den Nasszellen gefasst. Die Schlafzimmer, welche nicht im Durchströmungsbereich liegen, haben keine mechanische Lüftung. Diese Räume sind durch die Mieter über das Öffnen der Fenster zu be-, und entlüften. Das System der Grundwohnungslüftung ermöglicht einen qualitativ hohen Standard an die Aussenluftqualität, da die Aussenluft filtriert und über die WRG vorgewärmt wird. Die Nasszellen erhalten einen konstanten Luftaustausch, unabhängig vom Nutzerverhalten. Horizontale Installationen (Deckeneinlagen) werden bei diesem System gänzlich verhindert.

Umgebung                                                                                                                                                 

Sanft umrahmt der Wald des Uetlibergs das Areal im Süden. Nach Norden öffnet sich dank der erhöhten Lage ein weiter Blick ins Limmattal. Durch die Setzung der beiden Neubauten entstehen drei schichtartig aufgebaute Freiraumtypologien: der strassenbegleitende, der gärtnerische Freiraum und der Wald-saum.

Ausgehend von der bestehenden Villa werden die charakteristischen Elemente weitergeführt. Natursteinmauern, gesäumt von Wildstrauchgruppen, begleiten den Strassenraum. Das Ziergehölz des Gartens wird ergänzt: Magnolien, Tulpen- und Fächerahorne bereichern zusammen mit Obstbäumen den erweiterten Villengarten. Duftschneeball, Zaubernuss und Wildrosen akzentuieren den Wechsel der Jahreszeiten mit ihrem Blüten- und Blattwerk, lenken den Blick und variieren in Lichtdurchlässigkeit und Dichte.

Der Übergang zum Waldsaum wird von Trockensteinmauern gefasst, welche die privaten Aussengärten begrenzen und gleichzeitig wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna schaffen. Erneut säumen Wildstrauchgruppen die Mauern und schaffen einen sanften, natürlichen Übergang zum Wald.

Die Erschliessung erfolgt, wie im Bestand, direkt über die Stationsstrasse auf die obere horizontale Ebene. Hier begegnet man sich, repariert das Velo im Freien, trinkt mit den Nachbarn ein Bier oder bestaunt nachts gemeinsam den Sternenhimmel. Es entsteht ein durchgrünter, belebter Ort für Flora, Fauna und Menschen.